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Donnerstag, 30. Juni 2022,
Realer Einsatz mit Lizenzmodell für 3D-Druck startet bei Daimler Buses

Zukunftstechnik heute: Ersatzteile zum Selbstausdrucken

Ein Auto-Ersatzteil einfach samstags abends zu Hause drucken? Was sich nach Science Fiction oder Aprilscherz anhört, wird bei Daimler Buses Realität – und das in Kürze. Vermutlich sichert sich der kleine Anbieter damit eine Vorreiterrolle in der gesamten Branche.
Zukunftstechnik heute: Ersatzteile zum Selbstausdrucken
Daimler Truck
Bei Mercedes-Benz- und Setra-Bussen können bestimmte Ersatzteile
künftig am Rechner ausgewählt und dann am 3D-Drucker selbst hergestellt werden
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Eigner von Omnibussen der Marken Mercedes-Benz und Setra können bald schnell zahlreiche Ersatzteile im eigenen Haus herstellen. Erforderlich für die Mini-Teilefabrik im Busunternehmen sind lediglich ein zertifizierter 3D-Drucker, eine einmalige Anmeldung sowie der Erwerb einer Lizenz für das jeweils benötigte Teil in der gewünschten Menge.

Ausgerollt wird der Service durch Omniplus, der Servicemarke von Daimler Buses, nicht umsonst bei Nutzfahrzeugen - weil die Kunden hier eher das nötige Equipment haben, weil die Stückzahlen anfangs überschaubar sind und weil die Vorteile des Systems bei derartigen Fahrzeugen noch stärker ins Gewicht fallen als bei einem durchschnittlichen Pkw: Kein umständlicher Bestellvorgang, kein Transport, keine Wartezeiten, stattdessen eine flexible Versorgung mit Ersatzteilen - und das 24/7. Omnibusse müssen schließlich rollen, die schnelle Verfügbarkeit von Ersatzteilen hält die Flotte auf der Straße, und nur dort verdient sie Geld.

Ab Juni dieses Jahres stehen von aktuell über 1.500 unterschiedlichen 3D-Druck-fähigen Teilen im digitalen Lager zunächst gut 100 Teile als erste Lizenzen zur Verfügung. Weitere Ersatzteile als digitale Lizenzen werden folgen, heißt es bei Daimler Buses, wo man den neuen Service als revolutionär anpreist - und damit weniger übertreibt als es PR-Leute sonst gerne tun. Tatsächlich erinnert das Angebot an eine Umwälzung, wie man sie etwa von Streamingdiensten oder Mediatheken kennt: eine Plattensammlung oder feste Sendezeiten (respektive Teile-Bestellung beim Vertragspartner) waren gestern, jetzt kann jeder seine Sendung oder Lieblingsmusik respektive Ersatzteil zu beliebiger Zeit am gewünschten Ort genießen bzw. nutzen.

Der praktische Betrieb erfordert von Busunternehmen eine einmalige Anmeldung im "3D-Printing Licence eShop" mit ihrem 3D-Drucker. Angezeigt werden ausschließlich die Teile, die für den jeweiligen Drucker verfügbar oder mit ihm kompatibel sind. Der Start wurde mit dem industriellen 3D-Drucker-Hersteller Farsoon Technologies umgesetzt; weitere Anbieter sollen folgen. Als Nächstes erwerben Kunden eine verschlüsselte 3D-Druck-Lizenz für das benötigte Teil in der gewünschten Menge und können sie im eigenen Unternehmen ausdrucken. Nach erfolgreichem Druck erlischt die jeweilige Lizenz.

Auch die Servicepartner nutzen das System, so dass Ersatzteile auch dort bestellt und direkt mitgenommen werden können. Speziell in abgelegenen Gebieten bedeutet dies eine hohe Zeitersparnis gegenüber dem herkömmlichen Bestellverfahren mit Anlieferung aus Lagern, außerdem auch mehr Nachhaltigkeit durch entfallende Transportwege und dadurch wiederum eine Kostenersparnis. Dass all dies früher oder später auch bei anderen Marken und bei Pkw ankommen wird, liegt auf der Hand.

Daimler Buses ist nach eigenen Angaben Vorreiter in der gesamten Automobilbranche beim industriellen 3D-Druck. Bereits seit 2016 setzt man auf die Möglichkeiten der digitalen Fertigungstechnologie. Die Servicemarke Omniplus hat mittlerweile rund 40.000 Omnibus-Ersatzteile der Marken Mercedes-Benz und Setra als 3D-druckfähig definiert. Zunächst fokussiert sich Omniplus auf mehr als 7.000 Teile, die Schritt für Schritt digitalisiert werden.
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text  Hanno S. Ritter
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