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Mittwoch, 29. Mai 2024
C-SUV mit bis großer E-Reichweite

Neuer Opel Grandland: Erste Infos, erste Bilder

Nach der Premiere des Schwestermodells Peugeot E-5008 rollt auch Opel sein neues Flaggschiff ins Rampenlicht. Der neue Grandland wird größer als bisher, das Design stellenweise fragwürdig modernisiert. Wichtigste Neuheit sind elektrische Varianten, zum Teil mit hoher Reichweite.
Opel
Opel zeigt mit dem neuen Grandland
schon die zweite wichtige Neuheit in kurzer Zeit
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Eine seltsame Taktik verfolgen die PR-Strategen bei Opel: Nur zwei Wochen nach der Vorstellung des neuen Frontera ziehen sie bereits das Tuch vom Grandland, dem Topmodell der Marke - und der wohl letzten wichtigen Neuheit für einige Zeit. Und unter dem Tuch steckt dann ein Auto, das als "mutig, klar, atemberaubend" beschrieben wird, aber in einem nicht mehrheitsfähigen Gold-Braun-Ton lackiert daherkommt.

Die zweite Generation des Grandland, die markentypischen Gepflogenheiten folgend quasi auf Grandland B hörend, was aber im Hinblick auif die zunächst als Grandland X verkaufte erste Generation etwas verwirrend ist, steht erstmals auf der STLA-Medium-Plattform der Konzernmutter Stellantis. Diese, also die Plattform, ist als electric-first konzipiert, nicht als electric-only.

Entsprechend wird es auch den Grandland sowohl mit Elektroantrieb als auch als Mild-Hybrid-Benziner und als Plug-in-Variante (PHEV) geben, womit nun jede Opel-Baureihe elektrifiziert ist. "Das ist ein großer Schritt in unserer Elektrooffensive", sagt Opel-Chef Florian Huettl - und wir fügen hinzu, dass der Autobauer bis vor noch nicht allzu langer Zeit immer glauben gemacht hat, dass es das Auto ausschließlich elektrisch geben wird.

Bleiben wir gleich beim E-Antrieb: Die Plattform erlaubt Akkus von 98 kWh Kapazität, womit Opel "bis zu rund" 700 Kilometer Norm-Reichweite anpeilt - ein guter Wert im Wettbewerbsvergleich, den sonst ähnlich nur das kürzlich präsentierte Schwestermodell Peugeot e-5008 erreicht, das mit 660 Kilometern beworben wird.

Zur Leistung äußern sich die Rüsselsheimer nicht, aber auch hier hilft der Blick zum Löwen: 230 PS sind es in Verbindung mit Frontantrieb. Eine 320-PS-Allradvariante (Reichweite etwa 500 Kilometer) sowie 213-PS-Versionen mit 73 (500 km) und 82 kWh (560 km) dürfte Opel später nachreichen. Der PHEV kombiniert einen 150-PS-Verbrenner mit einem 125-PS-Elektromotor zu einer Systemleistung von 195 PS, die E-Reichweite beziffert Opel auf bis zu 85 Kilometer. Der Mildhybrid leistet nur 136 PS.

Der neue Grandland ist in allen Dimensionen deutlich gewachsen. 17 Zentimeter länger (4,65 Meter), gute sechs Zentimeter breiter (1,91 Meter) und zwei Zentimeter höher (1,66 Meter) als sein Vorgänger versprühe der Newcomer "pures Selbstbewusstsein", heißt es. Der Radstand wächst um elf Zentimeter auf 2,78 Meter.

Die hintere Kniefreiheit soll um zwei Zentimeter zulegen, während das maximale Kofferraumvolumen von 550 bis 1.641 Litern trotz des Längenzuwachses je nach Antriebsart leicht über bzw. sogar unter dem des Vorgängers liegt. Die Rückbank ist nicht verschiebbar. Ob Opel auch eine siebensitzige Variante anbieten wird wie Peugeot, ist noch nicht bekannt.

Optisch folgt der neue Grandland einerseits der bisherigen Linie mit der C-Säule in Haifisch-Flossen-Optik und dem durch die Zweifarb-Lackierung schwebend erscheinenden Dach, anderseits der aktuellen Markencharakteristik. Dass das Auto "viele Designideen der zukunftsweisenden Studie Opel Experimental zum Serienleben" erwecke, wie es seitens des Herstellers heißt, erschließt sich uns nicht. Aus dem "Vizor" an der Front ist nun ein "3D Vizor" geworden, fabuliert der Autobauer, ohne es recht zu erklären. Jedenfalls ist nun erstmals eine Lichtleiste und ein beleuchtetes Logo zu finden.

Am Heck allerdings gibt es das gerade geliftete neue Logo nicht, weder konventionell noch beleuchtet: Die Rüsselsheimer finden hier einen rot beleuchteten Opel-Schriftzug cooler, obschon es völlig uneinheitlich ist. Beim Modellnamen verzichtet der Autobauer nicht nur auf Chrombuchstaben, sondern auf geklebte Buchstaben überhaupt: "Grandland" ist in die Klappe eingeprägt, womit sich Nachfolgenden zwei verschiedene Schriftarten in zwei verschiedenen Größen und zwei verschiedenen Umsetzungen zeigen.

Apropos beleuchtet: Die Scheinwerfer sind mit ihrer optionalen 50k-Technik nochmals präziser und angeblich auch heller als das bisherige Matrix-Licht. Neue Begrüßungs- und Verabschiedungs-Animationen, die als Grafiken vor das Fahrzeug projiziert werden, sollen die Möglichkeiten unterstreichen - sind in der Praxis aber weitgehend irrelevant.

Im Interieur fällt das Auge vor allem auf ein flaches und gerades, aber sehr breites Zentraldisplay mit 16 Zoll Diagonale. Darunter platziert ist die Klimabedieneinheit mit echten Tasten sowie ein Drehregler für die Lautstärke und, noch eine Etage tiefer, eine einteilige breite Luftdusche. Der Beifahrer erhält wie bisher einen weiteren Ausströmer rechts vom Display.

Die seitlichen Luftauslässe hat Opel nicht ins Armaturenbrett integriert, sondern in die Türen - eine interessante Lösung, die man wohl zuletzt vor Jahren bei BMW gesehen hat. Der vermutlich angestrebte Wrap-Around-Effekt will sich aber schon wegen der nicht umlaufenden Ambientebeleuchtung nicht recht einstellen. Das Lenkrad ist oben und unten abgeflacht und mit Sensorflächen statt Tasten ausgestattet, das Kombiinstrument ist ebenfalls flach und breit ausgeführt, mutmaßlich im Bereich von zehn Zoll.

Aufwand hat Opel erneut in die vorderen Sitze gesteckt. Im Grandland verfügen sie erstmals über aktive Seitenpolster. Die beiden in den Wangen der Rückenlehnen untergebrachten Luftkissen verbessern den Seitenhalt und lassen sich nach persönlichen Vorlieben regulieren, agieren aber nicht automatisch. Nur der Fahrersitz bietet zudem Ventilation und Massagefunktion. Positiv: Alle Bezüge im Innenraum sind zu 100 Prozent aus recyceltem Material gefertigt.

Genaue Daten stehen noch aus, ebenso Ausstattungen, Preise, Termine und dergleichen. Gebaut wird auch der neue Grandland in Eisenach. Als "mutig, klar, atemberaubend" oder gar als Meilenstein für die Marke, wie Opel-Chef Huettl es ausdrückt, würden wir die Neuauflage einerseits nicht beschreiben, dafür ist sie allgemein zu vorhersehbar, zu nah am Peugeot 5008 und zu durchschnittlich.

Andererseits: 700 Kilometer Reichweite sind ein Wort, und wenn Opel sich bei der Preisgestaltung beherrscht, könnte ein Grandland vielleicht für manchen doch eine interessante Alternative zu Kuga, Tiguan, ID.4 und den himmelvielen anderen SUVs dieser Machart darstellen. Es muss ja nicht unbedingt in der Launch-Farbe sein.
text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
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