Optisch knackiger Kleinwagen kommt im Juni 2017
Seat Ibiza V: Das ist der Polo-Vorbote
Mit dem Generationswechsel beim Ibiza hat sich Seat überdurchschnittlich viel Zeit gelassen. Doch neun Jahre nach
dem Start der letzten ist es nun bald endlich Zeit für die nächste Generation: Auf neuer Basis bei gleichem Konzept
bietet Ibiza Nummer Fünf mehr Platz, mehr Technik und nicht zuletzt mehr fürs Auge.
Seat
Breiter, knackiger, moderner: Der neue
Seat Ibiza kommt im Juni 2017 zu den Händlern
Jahre- wenn nicht jahrzehntelang war der Ibiza der Bestseller im Seat-Programm. Dann kam der aktuelle Leon - sah, und siegte.
Erstmals verkaufte sich das teurere Kompaktauto besser als der günstigere Kleinwagen. Der Grund ist einfach erklärt: Der Leon
ist ein rundum und vor allem im Design gelungenes Auto, das viele neue Käufer anlockte.
Dass der neue Ibiza nun also mehr oder weniger wie ein zu heiß gewaschener Leon aussieht, ist vor diesem Hintergrund folgerichtig.
Aber keine Sorge, die Designer haben sich durchaus mehr Mühe gegeben als nur alles ein bisschen zu schrumpfen. So fallen die stärker
herausgearbeiteten seitlichen Sicken ins Auge, die Seat übrigens als "doppelten Längsblister" bezeichnet, außerdem
der flachere Anstieg der Fensterlinie, mehr Linien auf der Motorhaube, das dreieckige Tagfahrlicht (LED nicht im Basismodell) und jedenfalls
im Falle der FR-Version vertikale Nebelscheinwerfer.
Kühlergrill und Lufteinlass in der Frontschürze sind zu einem X ausgeformt. Außerdem trägt der Ibiza auch weiterhin einteilige
Rückleuchten, wie das in dieser Klasse schon aus Kosten- und Abgrenzungsgründen sinnvoll erscheint. Der Ibiza FR gibt sich künftig
an zwei außen platzierten Endrohren zu erkennen. Anders als beim Vorgänger und anders als Konzernmutter VW verzichtet Seat auf das
vordere Dreiecksfenster. Nicht zuletzt gibt es den Umstieg auf Spiegelblinker, endlich im gleichen Winkel angeordnete Türgriffe
und eine eckige Tankklappe ohne Griffmulde zu vermelden.
Dass der Ibiza auf den ersten Fotos fraglos knackig wirkt, liegt einerseits daran, dass Seat überwiegend solche des sportlichen FR veröffentlicht hat,
der mit seinen speziellen Schürzen und 18-Zoll-Rädern naturgemäß stämmiger wirkt als das oft tatsächlich auf den Straßen zu sehende, schmalbereifte
Basismodell. Andererseits liegt es aber auch daran, dass der neue Ibiza auf veränderte Proportionen setzt. Während Länge und Höhe beibehalten wurden, ist das
Auto fast neun Zentimeter breiter als bisher. Entsprechend wächst die Spurweite an der Vorderachse um sechs, an der Hinterachse um rund fünf Zentimeter.
Möglich wird dies, weil der Ibiza noch vor dem demnächst erscheinenden VW Polo VI (und anders als der Skoda Fabia) bereits auf dem neuen MQB-A0-Baukasten
aufbaut. Dies ist auch die Basis für die wichtigste Package-Änderung: Die Ingenieure haben den Radstand um 9,5 Zentimeter auf gut 2,56 Meter
gestreckt - nur der Hyundai i20 bietet in dieser Klasse noch mehr. Unter dem Strich profitiert das Design mit knackig kurzen Überhängen auf der formalen
Seite ebenso wie die Straßenlage auf der fahraktiven und das Raumangebot auf der praktischen.
Während der Fahreindruck einstweilen abgewartet werden muss, sind die von Seat genannten Raum-Daten durchaus beachtlich: 35 Millimeter mehr
Fußraum hinten, 24 Millimeter mehr Kopfraum vorne und 17 hinten, 42 Millimeter breitere Vordersitze und nicht zuletzt ein um 63 auf 355
Liter gesteigertes Kofferraumvolumen, das dank gesenkter Ladekante zudem besser erreichbar ist. 355 Liter? Richtig, nur 25 weniger als beim Leon.
Das Interieur präsentiert sich nicht nur luftiger, sondern auch deutlich hochwertiger als bisher. Verantwortlich für diesen Eindruck sind die nun horizontalen
statt runden Luftausströmer, der maximale acht Zoll große Monitor mit Glasoberfläche (Serie: 5 Zoll), die schönere Bedieneinheit der jetzt als Zwei-Zonen-System
ausgeführten Klimaautomatik, der tiefer positionierte Lichtschalter oder die Tastenreihe um Schalt-/Wählhebel. Lenkrad, Instrumentierung und Lenkstockhebel
sind nahezu unverändert vom insoweit erst 2015 überarbeiteten Vorgänger übernommen.
Die große, in verschiedenen Farben erhältliche Blende am Armaturenbrett gliedert das Ambiente wesentlich besser als bisher. Sie erinnert an das Pendant
im Skoda Fabia - im direkten Vergleich aber ist der Ibiza schöner gestaltet: Er trägt die klareren Instrumente, bietet den größeren Bildschirm,
erfreut das Auge mit einheitlicher gestalteten Luftausströmern und erfreut mit der schöneren und funktionaleren Klimabedienung. Es bleibt aus Kostengründen
bei einer konventionellen Handbremse, und auch eine Umstellung auf einen kurzen Hebel haben sich die Seat-Mannen gespart. Den Sparzwang erkennt man außerdem
am Hartplastik.
Noch ein Blick auf die Motorenpalette. Sie beginnt lahm und lustlos mit dem konventionellen Einliter-Benziner in den Leistungsstufen 60 und
75 PS. Deutlich mehr Spaß verspricht der gleich große und nur dreizylindrige, dafür aber aufgeladene TSI mit jetzt 95 oder 115 PS und erst echt der ganz
neue 1,5 TSI (Vierzylinder) mit 150 PS, der aber erst Ende des Jahres zur Verfügung steht. Der 1,2 TSI entfällt. Bei den Dieseln ersetzt das
1,6-Liter-Aggregat den 1,4 TDI, es gibt ihn mit 80, 95 oder 115 PS. Neu im Angebot ist eine Erdgasvariante (1,0 TSI, 90 PS). Bis einschließlich 95
PS kommt ein manuelles Getriebe mit nur fünf Gängen zum Einsatz, darüber gibt es derer sechs. Auch Versionen mit 7-Gang-DSG stehen zur Wahl.
Neu im Angebot sind das Umfeldbeobachtungssystem "Front Assist" mit City-Notbremsfunktion, die automatische Distanzregelung (ACC),
das schlüssellose Zugangs- und Startsystem und eine kabellose Handyladestation; auch Android Auto, Apple Carplay und MirrorLink sind an Bord.
Im Übrigen kündigt Seat "neuartige" Parksensoren an, lässt aber offen, was damit gemeint ist. Erstaunlich indes, dass nicht auch weitere Assistenten
zum Einsatz kommen.
Der neue Ibiza wird erstmals in natura zu sehen sein auf dem Genfer Autosalon im März, die Markteinführung ist auf Juni 2017 terminiert.
Entsprechend liegen Preise und genaue Daten noch nicht vor.
Der Ibiza ist seit 1984 eine feste Größe im Seat-Programm. Über 5,4 Millionen Stück
haben die Spanier nach eigenen Angaben verkauft - und dass diese Zahl mit dem neuen, fraglos schöneren Modell künftig stärker steigen wird als
bisher, ist absehbar, obwohl aus der bisherigen Ibiza-Familie wohl ein Single wird: Der Ibiza Kombi (ST) wird aller Voraussicht nach nicht
neu aufgelegt; der Dreitürer (SC) ist auf jeden Fall Geschichte, ganz so wie bei den meisten anderen Herstellern auch.
text Hanno S. Ritter
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