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Mittwoch, 17. Juli 2024
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Kleinwagen wird schöner, sicherer, sparsamer und günstiger

Neuer VW Polo: Der Mini-Golf ist da

Neuer VW Polo: Der Mini-Golf ist da
Bild anklicken für Großansicht Premiere in Genf:
Neuer VW Polo
Volkswagen
Mit dem neuen Polo zeigt Volkswagen auf dem Genfer Salon eine der wichtigsten Neuheiten des Jahres 2009. Die inzwischen fünfte Generation des Kleinwagens wird kaum größer, etwas sparsamer, signifikant sicherer, deutlich schöner – und ausstattungsbereinigt sogar etwas günstiger. Den Polo als Mini-Golf zu bezeichnen - dieses Wortspiel ist eine schöne Sache für die Journalisten, die eine griffige headline brauchen. Und man darf hinzufügen: Nie war es so wahr wie jetzt.

In den Außenmaßen wächst der Polo um 3,6 Zentimeter auf rund 3,95 Meter - das sind einige Fingerbreit weniger als die meisten neueren Konkurrenten, die um die Vier-Meter-Marke liegen - und gleichzeitig fast das Maß des Golf II. Die Breite wächst um 3,2 Zentimeter (Spurweite je plus 3,0 Zentimeter), was im Verbund mit der um 1,3 Zentimeter leicht reduzierten Höhe für bessere Proportionen sorgt.

Der Polo ist schon äußerlich dem Golf wie aus dem Gesicht geschnitten. Konkret: VW hat die neue Designlinie nach Scirocco und Golf / Golf Plus nun auch auf den Polo übertragen. Das Lätzchen, wie manch einer den V-förmigen Kühlergrill der letzten Jahre verspottet hat, weicht einem betont horizontalen Layout mit einem völlig geraden Kühlergrill zwischen den Scheinwerfern, die jetzt ohne einen "Tränensack" auskommen.

Im Vergleich zum Golf stehen die Leuchteinheiten etwas waagerechter, sind die Blinker darin nicht rund, sondern länglich ausgeführt und trägt der Kühlergrill nur eine einzige horizontale Strebe. Auch die Nebelleuchten sind länglich statt rund gehalten und umfassen nicht nur das Abbiegelicht, sondern auch das Tagfahrlicht (nicht im Basismodell). Zudem wirkt die Front etwas steiler, weil die Scheinwerfer praktisch bündig mit der Frontschürze abschließen und weil die mittleren Lichtkanten beim Polo etwas weicher ausgeführt sind.

Die Seitenlinie des Polo bietet keine Überraschungen. Das Fensterband ist stärker als bisher nach innen versetzt. Die Türen weisen im unteren Drittel eine große Sicke auf, die dem Auto zusammen mit den präsenteren Radhäusern optisch viel Kraft gibt. Es bleibt bei einem dritten Seitenfenster in der C-Säule, das aber stärker nach oben ausläuft als bisher, mithin frischer wirkt.

Ebenfalls schöner als bisher sind die Außenspiegel mit ihren auf den ersten Fotos kaum erkennbaren Blinkern. Ebenso schnörkellos präsentiert sich das Heck mit den im Gegensatz zum Golf einteiligen, im Grundlayout nahezu quadratischen, Rückleuchten, dem stärker ausgeprägten Dachkantenspoiler, der absolut geraden Scheibe und dem nicht mehr vorhandenen Heckklappen-Griff. Geöffnet wird diese künftig wie beim Golf durch Schwenken des VW-Logos.

Insgesamt ist VW - den ersten Bildern nach zu urteilen - hier ein guter Design-Wurf gelungen. Der Polo V setzt nicht auf bewusste Jugendlichkeit und Auffälligkeit wie etwa die wichtigsten deutschen Konkurrenten Ford Fiesta und Opel Corsa, sondern geht mit einem unauffälligeren, gleichwohl stilsicheren Outfit in die nächsten Jahre. Jene, die VW nicht mögen, werden das Auto wie üblich als "typisch deutsch" und langweilig apostrophieren, aber sie werden damit mehr daneben liegen als sonst. Der Polo wirkt zeitlos, selbstbewusst, unaufgeregt und richtig proportioniert.

Das Gleiche gilt auch für den Innenraum. VW-typisch präsentiert sich das Auto mit einem narrensicheren Layout in punkto Bedienelemente und Instrumentierung. Diese wird jetzt wie in den größeren Modellen weiß beleuchtet und enthält ein Display mit weißer Schrift, das hier erstmals auch den Tankinhalt digital anzeigt. Die neuen Dreispeichen-Lenkräder gefallen besser als die bisherigen Volants, und sie sind erstmals auch mit Multifunktionstasten (nur auf der linken Speiche) zu haben.

Die Mittelkonsole behält das Grundlayout bei. Sie kann mit den neuen Radio- und Navigationssystemen bis zum "RNS 310" mit Touchscreen ausgerüstet werden und überrascht mit einer neuen Klimabedieneinheit: Hatte VW in Golf und Passat CC die Zweizonen-Klimaautomatik erst kürzlich auf eine displayfreie und schlechter bedienbare Variante umgestellt, hat das Einzonen-Pendant im Polo plötzlich wieder ein Display, ähnlich der Climatronic im Golf IV. Neu im Angebot ist eine Mittelarmlehne mit Staufach, die Türtaschen können jetzt wie in Golf und Passat auch 1,5-Liter-Flaschen aufnehmen.

[Teil 2] Fortschritte macht der Polo nicht nur in punkto Design, sondern auch beim Thema Sicherheit und den Motoren, die allesamt sparsamer werden. Bei den Dieseln gibt es neue 1,6-Liter-TDI mit Common-Rail-Technik. Ausstattungsbereinigt ist der Polo V sogar günstiger als das Vorgängermodell. Die längere Karosserie kommt voll den Insassen, vor allem hinten, zugute. Das Kofferraumvolumen kann daraus allerdings keinen Profit schlagen: Es beträgt 280 bis 952 Liter (bisher: 270-1.030). Neu ist ein doppelter Laderaumboden (ab der mittleren Ausstattungslinie), der in zwei Höhen fixiert werden kann und für eine durchgehend ebene Ladefläche sorgt.

Größeres Augenmerk als bisher galt dem Thema Sicherheit: Fünf Sterne im neuen EuroNCAP-Test sind erklärtes Ziel. Mittel zum Zweck sind eine höhere Strukturfestigkeit der Karosserie, eine optimierte Lenksäule, Gurtkraftbegrenzer und optimierte Kopfstützen vorne - und nicht zuletzt das ESP, das nun endlich motorunabhängig und europaweit serienmäßig wird.

Ein Blick auf die Motoren: Im ersten Jahr werden vier Benziner und drei Dieselvarianten zur Wahl stehen. Die Basis stellen die beiden bekannten, nur leicht optimierten Dreizylinder-Benziner mit 60 und 70 PS, gefolgt vom 1,4-Liter-Vierzylinder, der im Polo 85 PS leisten darf (Golf: 80 PS). Neu im Programm ist ein TSI-Motor mit nur noch 1,2 Litern Hubraum, der dank Turboaufladung auf 105 PS kommt. Dieselfreunde können vorläufig ausschließlich einen neuen 1,6 TDI mit Common-Rail-Technik ordern, der stets rußgefiltert ist. Als Leistungsstufen stehen 75, 90 und 105 PS zur Verfügung, wobei die mittlere auch als besonders sparsame BlueMotion-Version geordert werden kann, die mit 3,8 Litern Verbrauch auskommt. Details zeigt die Übersicht:

Die Ausstattungslinien heißen künftig analog zum Golf Trendline, Comfortline und Highline, wobei bereits das Grundmodell alle wesentlichen Dinge enthält. Trotzdem scheint zumindest das mittlere Niveau empfehlenswerter, sind hier doch u.a. auch 15- statt 14-Zoll-Räder, das Tagfahrlicht, eine bessere Oberflächenanmutung des Armaturenbretts, die Climatic, der doppelte Ladeboden, die teilbare Rücksitzbank und -lehne, mehr Ablagen und elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel serienmäßig. "Highline" bedeutet zusätzlich u.a. Aluräder, Mittelarmlehne vorne, Nebelscheinwerfer, Lederlenkrad und Chromschmuck am Kühlergrill.

Gar nichts zu kritisieren also? Nur Kleinigkeiten, jedenfalls vorerst: Ein Kühlwasserthermometer gibt es nicht mehr, und auch die besser erfassbaren Einzeldisplays für Kilometerstand und Uhrzeit entfallen. Die Sitzheizung ist nur noch zweistufig regelbar, und die idiotische und der Sicherheit abträgliche Angewohnheit, nur eine Rückfahrleuchte zu verbauen, gibt VW offensichtlich nicht mehr auf. Eine neue scheint das Farbenspiel der Displays zu sein: Warum das Klimadisplay blau beleuchtet wird, wo doch sonst alles auf weiß umgestellt ist, erscheint nicht nachvollziehbar.

Die Cupholder entfalten sich nicht mehr auf Radiohöhe filigran aus dem Armaturenbrett, sondern bestehen nur noch aus zwei Vertiefungen hinter dem Schalt-/Wählhebel. Die Kopfairbags sind nach wie vor aufpreispflichtig, was VW dadurch zu kaschieren versucht, dass die Seitenairbags nun "Kopf-Thorax-Airbags" heißen. Vom Entfall der seitlichen Schutzleisten mag das Design profitieren, nicht aber der Alltag in engen Parklücken.

Trotzdem scheint Volkswagen dem ersten Eindruck nach mit dem Polo V ein großer Wurf gelungen zu sein, der an die Vorstellung des Polo III erinnert, der gegenüber dem Vorgänger sogar einen vielleicht noch größeren Schritt gemacht hatte. Natürlich bleibt der Golf nach wie vor noch etwas komfortabler, größer, mutmaßlich sicherer, besser ausgestattet, imagestärker und mit kräftigeren Motoren kombinierbar, wie auch ein Passat besser ist als ein Golf. Der Abstand ist aber zweifellos gesunken - was für Polo-Interessenten die bessere Nachricht ist als für Golf-Fahrer.

Die Produktion startet Ende März, die Markteinführung ist für Juni vorgesehen. Weil das alte Modell trotz Erhöhung des geplanten Volumens wegen der Abwrackprämie so gut wie ausverkauft ist, kann bereits ab Donnerstag dieser Woche (5.3.) bestellt werden. Bisher liegt nur der Basispreis für das Basismodell vor: 12.150 Euro. Das sind 100 Euro mehr als bisher - und bedeutet ausstattungsbereinigt doch einen hohen Mehrwert: Rechnet man beim alten Modell vier Türen und ESP dazu, ist der Neue 1.150 Euro günstiger.

Nicht nur deswegen ist es keine Kunst, dem Mini-Golf einen hohen Zuspruch bei den Kunden vorauszusagen.

Nachtrag, 05.03.: Der genannte Preis bezieht sich auf den Dreitürer. In der Messe-Hektik wurde dies übersehen. Der Aufpreis zum Fünftürer beträgt ab 735 Euro (mit manuellen Fensterhebern hinten, bisher 830 mit elektrischen Fensterhebern). Damit ist der neue Polo ausstattungsbereinigt immer noch günstiger als der alte, aber nicht mehr so deutlich. Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen. —Red.
text  Hanno S. Ritter
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