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Mittwoch, 29. Mai 2024
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Elektroauto-Studie mit Wankelmotor als Range Extender

Audi A1 e-tron: Der Elektro-Wankel

Audi A1 e-tron: Der Elektro-Wankel
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Range Extender: Audi A1 e-tron MCV
Audi
Gerade feiert der neue Audi A1 seine "Weltpremiere" auf dem Genfer Autosalon, da droht ihm ein Ableger bereits die Show zu stehlen: Die Studie A1 e-tron ist ein Elektroauto mit Range Extender – der als Wankelmotor ausgeführt ist. Wer den Begriff des Megacity Vehicle bisher mit BMW assoziiert, muss umdenken: Audi bezeichnet sein Messecar A1 e-tron ebenfalls als "Mega City Vehicle", meint damit aber trotz der Abweichendes suggerierenden Schreibweise das Gleiche wie der Mitbewerber.

Es handelt sich bereits um die dritte e-tron-Studie von Audi. Nach dem Supersportwagen im R8-Stil mit vier Radnabenmotoren (IAA 2009) und dem TT-ähnlichen Ableger mit zwei Elektromotoren (Detroit 2010) folgt nun ein weiteres Abspecken. Dem Kleinwagen reicht eine einzige Elektromaschine, die quer im Bug platziert ist und 45 kW (61 PS) Dauerleistung abgibt. Die kurzfristig nutzbare Spitzenleistung beträgt 75 kW (102 PS). Die 150 Nm Drehmoment stehen aus dem Stand zur Verfügung, und der Topwert liegt bei 240 Nm. Die Kräfte gelangen über ein einstufiges Getriebe wie üblich an die Vorderachse.

Hinter den Ringen im Kühlergrill liegt die Buchse für den Einheitsladestecker und ein Display, das Ladezustand und Laderestdauer anzeigt. Bei vollständig entladener Batterie dauert der Ladevorgang etwa drei Stunden - sofern ein Starkstromanschluss zur Verfügung steht. Der Lithium-Ionen-Akku ist unterflur angeordnet - dort, wo es für den Schwerpunkt und die Gewichtsverteilung ideal ist und dank des nicht benötigten Tanks und Auspufftrakts Platz vorhanden. Obschon der 150 Kilogramm schwere Akku, der mit 380 Volt Spannung arbeitet, nur über eine Kapazität von 12 Kilowattstunden verfügt, soll die Reichweite im Stadtverkehr 50 Kilometer betragen.

Wenn das einmal nicht ausreicht, kommt der zusätzliche Verbrennungsmotor ins Spiel. Als Range Extender ausgelegt, dient er nicht dem direkten Antrieb, sondern ausschließlich der Stromerzeugung. Im Gegensatz etwa zum Opel Ampera setzt Audi hier - jedenfalls in der Studie - nicht auf einen konventionellen Benziner, sondern auf einen Wankelmotor, wie er im Pkw-Bau außer im Mazda RX-8 eigentlich als ausgestorben gilt. Der kleine Einscheiben-Wankel weist nur 254 cm3 Kammervolumen auf und läuft konstant mit 5.000 Umdrehungen Drehzahl im Bereich seines besten Wirkungsgrads.

Bei Bedarf schaltet die Elektronik den Range Extender automatisch zu. Dabei werden auch Navigationsdaten wie Ziel- und Streckenprofil berücksichtigt. Individuell kann ihn der Fahrer mit einer Taste jederzeit zu- und abschalten, wenn die Gegebenheiten es erfordern. Der Motor, inklusive Generator, Elektronik, Abgas- und Kühlanlage nur 70 Kilogramm leicht, ist im Heck angeordnet. Trotz der hohen Drehzahlen verspricht Audi einen fast lautlosen Betrieb; der prinzipbedingt vibrationsfreie Lauf des Wankelmotors trägt dazu bei. Zur Kraftstoffversorgung dient ein 12-Liter-Tank. Die Reichweite soll 200 Kilometern betragen, wobei der rechnerische Verbrauch in die Iree führt. Tatsächlich geht Audi von 1,9 Litern aus.

Und was passiert mit dem e-tron, wenn die Messe in zehn Tagen ihre Pforten schließt? Er selbst wandert in die Ingolstädter Katakomben, während das Konzept die Ingenieure und Produktplaner noch nachhaltig beschäftigen dürfte. Eine Umsetzung mit Wankelmotor scheint aber eher unwahrscheinlich. An das Kunstwort "e-tron" sollte man sich dennoch schon einmal gewöhnen. Audi-Chef Stadler: "So wie der Name quattro zum Synonym für den Allradantrieb geworden ist, soll e-tron der Markenname von Audi für E-Mobilität werden." Im übrigen gilt: Nichts Genaueres weiß man nicht, der A1 e-tron ist noch längst nicht reif für die Megacities dieser Welt.
text  Hanno S. Ritter
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