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Donnerstag, 29. September 2022,
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Erster Kleinstagen mit optionalem Notbremssystem / Ab IAA-Start bestellbar

VW up!: Bilder, Infos, Details

Volkswagen
Der neue
VW up!
Vier Jahre nach der ersten Studie zeigt Volkswagen seinen neuen Kleinstwagen endlich in Serienform. Der "up!" getaufte erste Vertreter der sogenannten New Small Family (NSF) gefällt mit freundlichem Design und pfiffigen Details. Erste Infos, erste Bilder. In der Klein- und Kompaktklasse ist VW in Deutschland mit Polo und Golf abonniert auf den Spitzenplatz bei den Neuzulassungen, und meist gilt dies mit Passat, Tiguan und Caddy oder T5 auch für Mittelklasse, SUV und Utilitys. Das ist eindrucksvoll - und doch nicht genug für einen Konzern, der erklärtermaßen der größte Autobauer der Welt werden möchte.

Nun geht Volkswagen die Schwäche bei den ganz kleinen Autos an. Wo der Lupo fast schon vergessen ist und der Fox nie überzeugen konnte, schickt sich der up! an, ganz neue Akzente zu setzen. Das gilt nicht nur für den ungewöhnlich "hippen" Namen - VW hat das up! der Studie tatsächlich beibehalten und nicht wieder zu Lupo gemacht wie einst das Iroc zu Scirocco -, sondern auch für das Konzept. Zwar wurde das anfangs geplante Heckmotor-Layout wieder verworfen, doch sonst haben der in Brasilien entwickelte und gebaute Fox und der neue, in Deutschland erdachte up! ungefähr so viel gemeinsam wie Hund und Katze.

Verdeutlicht wird das schon von den Maßen: Wo der schmächtig wirkende Fox mit 3,82 Meter Länge tatsächlich gar nicht so klein war, begnügt sich der up! mit 3,57 Metern - ein deutlicher Unterschied für Technik und Auge. In punkto Radstand (2,42 Meter) trennen die beiden dagegen nur vier Zentimeter, was dem up! also wesentlich kürzere Überhänge und schon damit ein satteres Auftreten beschert. Mit 1,64 Metern macht sich der up! außerdem recht schmal und mit 1,48 Metern auch flach. Als Anhaltspunkt: Ein Fiat 500 unterscheidet sich in allen drei Maßen nur geringfügig.

Als Basis dient der sogenannte Modulare Quer-Baukasten. Der up! ist das erste von rund 50 geplanten Konzern-Modellen, das dieses Chassis bekommt. Es verbindet eine hohe Flexibilität bei Größen und Radständen mit einer einheitlichen Architektur und hohem Gleichteileanteil.
Frisches Design (fast) ohne Rotstift-Merkmale
Das Design des VW up! entspricht im Grundsatz der Erwartung, die die nicht weniger als fünf Vorläufer-Studien haben entstehen lassen. Der Kleinstwagen trägt also nicht jenes "Familiengesicht", das inzwischen von Polo bis Phaeton und Crafter nahezu alle VW ziert, sondern eine eigenständige Interpretation.

Es bliebt bei innen angespitzten Scheinwerfern, die beim up! aber nur durch eine schmale Linie verbunden werden. Einen echten Kühlergrill gibt es nicht. Als Lufteinlass dient eine in der Frontschürze umlaufende Öffnung, die als breiter Grinsemund interpretiert werden darf. Dieses Design ist ebenso neu in der Branche wie es auf Anhieb durch seine gelungene Mischung aus Individualität und Unaufdringlichkeit zu gefallen vermag.

Dieses Stilelement findet sich am Heck wieder, wo es allerdings nur als Sicke ohne Öffnung ausgeführt ist. Die Heckansicht wird vor allem bestimmt durch die stets schwarz ausgeführte Heckklappe, was ein bisschen an die Lancia-Kleinwagen Y10 und Ypsilon erinnert. Die up!-Heckklappe wirkt, als bestünde sie wie etwa beim Peugeot 107 nur als Glas, tatsächlich handelt es sich aber um eine "echte" Klappe aus Metall.

Im Übrigen bietet das Design kaum Auffälligkeiten. Dass der Rotstift bei diesem Projekt eine große Rolle gespielt hat, wird kaum sichtbar. So sind die Schürzen offenbar stets in Wagenfarbe lackiert, es gibt vernünftige Bügeltürgriffe, zwei Gasdruckfedern für die Heckklappe, eine markentypische Dachantenne und eine dritte Bremsleuchte im Stil der größeren Modelle und flach liegende Scheibenwischer vorne und hinten. Lediglich der Verzicht auf Spiegelblinker, LED-Technik fürs Tagfahrlicht und die ebenso unschöne wie überflüssige Griffmulde an der Tankklappe geben dezente Hinweise auf den Sparzwang.
Funktionales, einladendes Interieur
Dies gilt auch für das Interieur: Ordentlich wirkende Sitze und vor allem die an den neuen Beetle erinnernde Instrumentierung machen einen einladenden Eindruck. Auch hier ist VW vom üblichen Layout etwas abgewichen. In der Mitte des Instrumentenkombi sitzt ein großer Tacho, der links von einem kleinen Drehzahlmesser und rechts einer entsprechend gestalteten Tankuhr flankiert wird, jeweils in feine Chromrähmchen gefasst. Ein Kühlwasserthermometer gibt es nicht, aber wegen der analogen Tankanzeige mag man den up! hier sogar angenehmer finden als einen Basis-Polo mit seiner nicht-kontinuierlichen Digitalanzeige. Lenkstockhebel und Lichtschalter entsprechen dem Markenstandard.

Auffällig ist das unten abgeflachte Drei-Speichen-Lenkrad und der Verzicht auf mittlere Luftduschen. Besonders stolz ist VW auf das sogenannte Dash Pad, die Armaturen-Querspange vor dem Fahrer und Beifahrer. Je nach Ausstattung kommt hier ein Dekolack oder eine der Außenlacke zum Einsatz. Das wirkt - wie bereits im Beetle - frisch, individuell, zweckmäßig und durchaus auch edel. Über der etwas schlichten Mittelkonsole befindet sich im Dash Pad ein großer Einsatz, der Radio, Zusatztasten und Klimabedienteil aufnimmt.

Beim Radio setzt VW auf eine proprietäre Lösung, sprich: Andere als die werksseitig angebotenen Radios passen höchstens mit einer Blende. Die Klimaanlage ist stets manuell gesteuert, was bei einem solchen Auto ausreichend sein dürfte. Etwas billig wirkt allenfalls der mechanische Schieberegler für die Umluftfunktion. Fünf Tasten und eine Kontrollleuchte für den evtl. abgeschalteten Beifahrer-Airbag finden Platz, wobei davon zwei für die optionale Sitzheizung (zweistufig), eine für die Heckscheibenheizung und eine für den Warnblinker vergeben sind. Wo VW künftig weitere Schalter unterzubringen gedenkt oder ob es diese einfach nicht geben wird, bleibt abzuwarten.
Abnehmbares Navigationssystem mit Fahrzeuganbindung
Ganz neu für VW ist das System "maps + more". Es handelt sich um ein gemeinsam mit Navigon entwickeltes "Portable Infotainment Device" (PID). Das abnehmbare System im Format eines mobilen Navigationssystems bündelt Navigation, Telefon, Information und Unterhaltung. Besonderheit ist die vollständige Integration in das Netzwerk des Autos: Der Touchscreen dient beispielsweise auch als Anzeige für die Parksensoren. Apps ermöglichen es zudem, dass Funktionsspektrum gezielt zu erweitern.

Gegen die hohe Diebstahlgefahr einer solchen aufsteckbaren Systems hat VW allerdings keine Lösung gefunden, so dass jedenfalls in den Großstädten ein unpraktisches Entnehmen und Mitführen des Geräts angezeigt sein dürfte. Wenn schon abnembar, mag man sich eine Schnittstelle zu iOS (Apple iPhone) und Android-Smartphones gewünscht haben.

Der Kofferraum des up! fasst 251 Liter und übertrifft damit den Klassenstandard: Ein Peugeot 107 kommt auf 130 Liter, ein Fiat 500 auf 185, ein Smart Fortwo auf 220, ein Opel Agila auf 225 und ein Renault Twingo auf 230 Liter. Wird die Rücksitzlehne komplett umgeklappt, erhöht sich das Stauvolumen auf bis zu 951 Liter. Optional lässt sich die Rückbank auch asymmetrisch geteilt umklappen.
City Safety erstmals bei einem Kleinstwagen
Ein wichtigeres Alleinstellungsmerkmal haben die Wolfsburger ihrem jüngsten Spross in Sachen Sicherheit angedeihen lassen. Die optionale City-Notbremsfunktion wird automatisch bei Geschwindigkeiten von unter 30 km/h aktiv und registriert per Lasersensor die Gefahr einer drohenden Kollision. Je nach Tempo und Situation kann das System mittels automatischem Bremseinsatz die Unfallschwere reduzieren und oder gar den Aufprall vermeiden.
Dreizylinder-Antrieb ohne Besonderheiten
Motorseitig ist der up! ausschließlich mit Dreizylinder-Benziner zu haben. Es handelt sich um neu entwickelte Aggregate mit nur noch 1,0 Litern Hubraum, die mit 60 und 75 PS angeboten werden. Der Verbrauch soll bei 4,2 bzw. 4,3 Litern liegen bei Modellen mit aufpreispflichtigem "BlueMotion Technology"-Paket (BMT). Zum Vergleich: Der Fox 1,2 kam mit 60 PS auf 5,8 Liter, der entsprechende Polo ist mit 5,5 Litern gelistet, der Fortwo ebenfalls mit 4,2 und ein Fiat 500 mit Zweizylinder (85 PS) führt leicht mit 4,0 Litern. Auf der gleichen Basis wird beim up! ein Erdgasmotor mit 68 PS folgen, der in der BMT-Variante auf 79 Gramm CO2/km pro Kilometer kommen soll. Ein Diesel ist wegen der hohen Kosten und der aufwändigen Abgasreinigung nicht geplant.

Der interessanteste up! verspricht insoweit aber jener mit Elektroantrieb zu werden. Der kommt ebenfalls in Serie - zur nächsten IAA, 2013. Zuvor dürfen sich up!-Interessenten aber auf weitere Ableger der NSF-Baureihe freuen, namentlich auf Škoda City (Arbeitstitel) und Seat Mii - und vor allem auf den fünftürigen up!, der 2012 mit etwa 3,75 Metern Außenlänge folgen soll.
Markstart in Kürze
Details zur Ausstattung und Preise liegen noch nicht vor, einmal abgesehen davon, dass es wie üblich drei Ausstattungslinien geben wird, die nicht Trendline, Comfortline und Highline heißen, sondern "take up!", "move up!" und "high up!". Etwa 9.500 Euro Einstandspreis erscheinen realistisch, wobei ESP Serienstandard sein dürfte. Im übrigen zeigt sich VW beim Serienumfang vermutlich eher knauserig: Klimaanlage und Notbremssystem, Radio und "maps&more", Aluräder und das BMT-Paket werden extra kosten. 13.000 Euro dürften es so schnell werden, aber das ist immer noch ein interessantes Angebot.

Interessenten dürfen und müssen sich zwischen einem trendy-schicken up! und einem solide-erwachsenen Polo entscheiden. Schon am 13. September, wenn der up! auf der IAA der Presse erstmals in natura vorgeführt wird, öffnet VW die Auftragsbücher. Ausgeliefert wird der in Bratislava gefertigte up! ab Dezember. Das up!-Warten hat endlich ein Ende.
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text  Hanno S. Ritter
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