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Dienstag, 6. Dezember 2022,
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Achtgang-Automat, LED-Scheinwerfer und neues Navi für das Luxusauto

Rolls-Royce Phantom: Noch besser

BMW
Noch besser:
Rolls-Royce Phantom Series II
Maybach wird abgewickelt, Rolls-Royce packt an: Die britische BMW-Tochter hat ihr Flaggschiff Phantom überarbeitet. Das vielleicht beste Auto der Welt, das ultimative Luxusgut, wird noch ein bisschen besser. Wie nennt man das, was Rolls-Royce auf dem Genfer Salon am Dienstag vorgeführt hat? Facelift ist ein zu schnödes Wort für einen Rolls-Royce, Modellpflege auch, ganz neu ist das Auto nicht, und auch die offizielle Bezeichnung Phantom Series II will angesichts ihrer Nähe zu französischen Herstellern nicht recht glücklich machen.

Egal, Namen sind Schall und Rauch, einem Rolls-Royce kann man sowieso nicht in ein paar Absätzen gerecht werden. Dies vorausgeschickt, dürfen die Fakten folgen: Der am 1. Januar 2003 erstmals vorgestellte, je nach Variante bis zu 6,09 Meter lange Luxuswagen, erhält ein geändertes Antlitz. Grund ist die Umstellung auf Voll-LED-Scheinwerfer - und weil sie serienmäßig erfolgt, kann Rolls-Royce hier eine Führungsrolle für sich beanspruchen.

Die nach wie vor rechteckigen Scheinwerfer bestehen aus vier Kammern. Kontinuierlich leuchtet eine Leiste durch die Mitte, Dauerlicht nennt das der Hersteller. Die LED in den oberen beiden Kammern gehören zum Abblendlicht, die der unteren beiden zum Fernlicht. Eine zusätzliche rechteckige Positionsleuchte sitzt unterhalb der Scheinwerfer, dort, wo bislang ein runder Zusatzscheinwerfer das Design prägte. Das Abblendlicht ändert seine Helligkeit und den Strahlwinkel adaptiv in Abhängigkeit von Lenkeinschlag und Geschwindigkeit. Die Schaltung erfolgt nicht mehr über einen Taster, sondern über einen Drehregler. Pfiffig: Hier kann der Lichtkegel, ganz ohne Programmierung in einem Bordcomputer-Menü, direkt von Links- auf Rechtsverkehr umgestellt werden.

Leicht überarbeitet zeigt sich auch der Frontstoßfänger, beim Coupé und dem Cabrio alias Drophead Coupé kommt ein neuer einteiliger Kühlergrill zum Einsatz, der optional lackiert werden kann. Die Limousine trägt auch hinten einen neuen Stoßfänger mit einer integrierten Applikation aus poliertem Edelstahl. Phantom Limousine und Phantom Extended Wheelbase besitzen an den vorderen Kotflügeln neue Rolls-Royce-Embleme mit Blinker, während drei neue Radoptionen (lackiert, teilpoliert und poliert) das Programm der 21 Zoll großen Räder ergänzt - die größten Räder, die serienmäßig bei einem Pkw zum Einsatz kommen.

Im Innenraum erhalten Coupé und Cabriolet erstmals eingenähte Bahnen auf Lehnen und Sitzflächen vorne und hinten, bei der Limousine wird deren Anzahl von fünf auf drei verringert. Die Seitentaschen in den vorderen Türen sind etwas kleiner geworden, um Platz für die Integration von Crash-Pads zu schaffen.

Auf Knopfdruck klappt die Analoguhr des Phantom ein, um den neuen Zentralbildschirm zu enthüllen. Er und die dahinterliegende, aktualisierte Technik stammt natürlich von BMW, entsprechend wuchs die Größe von 6,5 auf 8,8 Zoll. Mit einher geht eine höhere Auflösung sowie die Split-Menü-Funktion für einen intuitiveren Zugang zu verschiedenen Funktionen. Dem gleichen Ziel dienen die acht neuen frei programmierbaren Favoritentasten. Ein neuer Chrom-Controller, der, wenn er nicht benötigt wird, diskret in Mittelkonsole und Armauflage verborgen ist, ist durch Funktionstasten für Menü, Telefon und Navigation ergänzt.

Alle neuen Phantom erhalten serienmäßig ein Kamerasystem mit fünf Kameras. Zusammen liefern sie einen sogenannten "Fish-Eye-Blick" an unübersichtlichen Kreuzungen, offenbaren Blicke auf Hindernisse oder unterstützen beim Parken. Die Telefonkonsole wurde durch ein Standard-Halterung für Smartphones ersetzt, die direkt mit der Fahrzeugantenne verbunden ist. Dazu gehören auch USB-, AUX-IN- und 12-Volt-Anschlüsse. In Ergänzung dazu können Audio-Files über einen weiteren USB-Anschluss im Handschuhfach auch direkt auf die Festplatte des Fahrzeugs kopiert werden.

Der von Hand zusammengebaute, 6,75 Liter große Zwölfzylinder-Motor bleibt unverändert. 460 PS Leistung und 720 Newtonmeter Drehmoment garantieren souveränes Dahingleiten. Notfalls prescht der rund 2,6 Tonnen schwere Luxuswagen auch in 5,8-6,1 Sekunden (je nach Karosserievariante) auf Tempo 100 und befördert die Passagiere mit abgeregelten 240 km/h (Coupé: 250 km/h) zum nächsten Termin.

Neu ist das Getriebe: Anstelle des Sechsgang-Automaten kommt nun das Achtgang-Pendant von ZF zum Einsatz. Das längere Achsverhältnis des neuen hinteren Differenzials kompensiert kürzere Übersetzungsverhältnisse des neuen Achtgang-Getriebes, während gleichzeitig der Spritverbrauch sinkt: Nach der Norm sind es jetzt rund zehn Prozent weniger, konkret 14,8-14,9 Liter. Es ist dies natürlich ein theoretischer Wert, der in der Praxis kaum jemals auch nur annähernd ereicht werden dürfte - angesichts des finanziellen Hintergrunds der Fahrzeugeigner Eigner und den geringen Stückzahlen aber letztlich auch völlig bedeutungslos. Der einzige Komfortmangel an einem Rolls-Royce, die geringe Reichweite mit einer 100-Liter-Tankfülllung, bleibt erhalten.

Neu im Angebot ist ein sogenanntes Dynamik-Paket für die Limousine, das so gar nicht zum Charakter des Wagens passen mag: Es umfasst ein strafferes Fahrwerk, sichtbare Abgasendrohre, ein dickeres Lenkrad, eine alternative Getriebeabstimmung sowie eine geänderte Bremscharakteristik. Der Aluminium-Spaceframe wird in allen Versionen um Zugstreben verstärkt.

Diese faszinierenden Automobile seien von zeitloser Anziehungskraft, sagt Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös, aber die Technologien der modernen Welt entwickelten sich schnell. "Rolls-Royce kann es sich nicht leisten, untätig zu sein. So haben wir uns der berühmten Maxime unseres Gründervaters Sir Henry Royce besonnen, der schon vor einem Jahrhundert sein Team ermutigte, des Beste, das es gab, zu nehmen und es noch besser zu machen."

Was das kostet, fragen Sie? Das wüssten wir auch gerne, aber selbst Journalisten steht eine Preisliste nicht mehr zur Verfügung. Also sagen wir mal so: Vor den fünf Nullen steht eine 4, mindestens.
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text  Hanno S. Ritter
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