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Markteinführung in Europa ab Anfang 2007 / Absatzverdoppelung bis 2010 geplant

KIA Opirus: Flaggschiff wird schöner, schneller und sicherer

Siehe Bildunterschrift
Bild anklicken für Großansicht Ab 2007:
Neuer KIA Opirus
KIA
KIA hat seinem Flaggschiff ein Facelift spendiert, das getrost als zweite Generation durchgehen könnte: Der in Europa Anfang 2007 erwartete neue Opirus wird sowohl schöner und komfortabler als auch schneller, leichter, sparsamer und sicherer. Vorstellung mit ersten Bildern.
Üblicherweise bekommt ein Automodell ein oder im Einzelfall auch mehrere Modellpflegen, umgangssprachlich auch "Facelift" genannt, um es bei der Kundschaft aktuell zu halten. Die Hersteller respektive deren sowieso oft zweifelhaft agierenden PR-Mannen verkaufen dies dann der Öffentlichkeit als neues Modell, und freuen sich mutmaßlich diebisch, wenn der ein oder andere Journalist (besser: "Journalist") dies ungeprüft übernimmt.

KIA geht beim Opirus jetzt den entgegengesetzten Weg: Man habe den Opirus komplett überarbeitet, lassen die Koreaner wissen, und zählen dann derart viele Neuerungen und Verbesserungen auf, dass man das Understatement schon sympathisch finden kann. "Der Opirus 2007 ist in so vielen Bereichen deutlich verbessert worden, dass es eigentlich ein neues Modell ist", sagt denn auch der europäische KIA-Vizepäsident Jean-Charles Lievens vorsichtig.

Beginnen wir beim Design, das von der Überarbeitung zweifellos profitiert hat, aber dennoch kein Bedürfnis aufkommen lässt, Sektflaschen zu entkorken: Gegen die europäische, gar gegen die amerikanische Konkurrenz wirkt der Opirus noch immer recht barock. Dynamik und Sportlichkeit strahlt die Limousine nicht aus, aber auch die Attribute elegant oder zeitlos wären nicht treffend.

Insgesamt aber ist das Design etwas ruhiger und einheitlicher geworden. So wurde die Vorderkante der Motorhaube abgesenkt, der breitere Kühlergrill weicher konturiert, die Kofferraumklappe höher positioniert und der Heck-Überhang um zwei Zentimeter verlängert, womit das Auto sich jetzt exakt als Fünf-Meter-Limousine bezeichnen darf. Hinzu kommen überarbeitete Scheinwerfer, neue vertikale Heckleuchten, die einmal nicht in die Kofferraumklappe oder die Kotflügel übergreifen, und eine Auspuffanlage mit zwei verchromten Endrohren. Durch die vorne und hinten verbreiterte Spur sind die Radhäuser nun besser gefüllt und verleihen dem Auto mehr Präsenz. Zudem wurde die Farbpalette von drei auf acht Lacktöne ausgebaut.

Eine völlige Neugestaltung verspricht Kia auch für die Armaturentafel, die Instrumenteneinheit sowie Mittel- und Tunnelkonsole samt der Bedienelemente für das Audio- und das Klimasystem, mag Bilder im Vorfeld der Messe aber noch nicht zeigen. Zu den neuen Ausstattungsmerkmalen zählen beheizbare und kühlbare Vordersitze, elektrisch einstellbare Pedale, eine vierfach einstellbare Lordosenstütze für den Fahrersitz und ein übersichtlicheres Bordcomputer-Display. Das Interieur wird in drei Farbvariationen (darunter auch Schwarz mit kontrastierenden Elementen in Holz- oder Aluminium-Optik) angeboten.

Auch unter dem Blech hat sich jede Menge getan. So ersetzt KIA den bisherigen 3,5-Liter-Sechszylinder durch eine Variante mit 3,8 Litern. Die Leistung steigt von 203 auf 266 PS, die künftig bei 6.000 statt 5.500 Touren erreicht werden; das Drehmoment legt um 55 auf 353 Newtonmeter zu, liegt allerdings erst bei 4.500 statt 3.500 Umdrehungen an. Trotz der Mehrleistung und trotz des Festhaltens an der nur fünfstufigen Automatik sinkt der Normverbrauch von 11,4 auf 10,9 Liter - immer noch viel, auch im Wettbewerbsvergleich, wobei fairerweise hinzuzufügen ist, dass KIA jedenfalls bisher auch beim Opirus mit Normalbenzin kalkuliert. Abgasklasse ist künftig EU4.

Der Minderverbrauch ist auch in einer deutlichen Abspeckkur begründet: Der neue Opirus wird 122 Kilo weniger wiegen als das hierzulande noch aktuelle Modell. Entsprechend stark profitieren auch die Fahrleistungen: So ist der klassische Spurt auf Tempo 100 künftig in 7,5 statt 9,2 Sekunden erledigt, und das maximale Reisetempo steigt um zehn auf 230 km/h, was beides angesichts der Motorisierung freilich nach wie vor enttäuschend ist.

Außerdem hat KIA dem nur als Linkslenker angebotenen Opirus eine neue Radaufhängung rundum und die erwähnte Verbreiterung der Spur (15 mm vorn, 30 mm hinten) spendiert, montiert künftig 17- statt 16-Zoll-Räder mit 235/55er- statt 225/60er-Bereifung, hat die Vibrationen in der Lenkung bekämpft und das Volumen des Kofferraums, nicht aber das des 70-Liter-Tanks, leicht vergrößert und schließlich das elektronische geregelte Dämpfungssystem (ECS), das jeden Stoßdämpfer einzeln ansteuert und damit auch Wank- und Nickbewegungen der Karosserie minimiert, neu abgestimmt.

Schließlich will KIA sein Flaggschiff auch sicherer gemacht haben: So gibt es Verstärkungen der vorderen Spritzwand, der Querträger im Kabinenboden, der Türschweller und der B-Säulen. Erhöhten Schutz bei einem Seitenaufprall versprechen neue, größere Seitenairbags in den Vordersitzen.

Europa-Premiere feiert der Opirus Ende September auf dem Pariser Autosalon, die Markteinführung ist auf Januar 2007 terminiert. KIA hat sich beim "Facelift" viel Mühe gegeben, und freut sich jetzt zu Recht auf die angepeilte Verdoppelung der Absatzzahlen bis 2010 auf dann jährlich weltweit 100.000 Einheiten. Das klingt realistisch - andererseits könnten die Koreaner auch in dieser Klasse noch viel größere Brötchen backen: Vielleicht beinhaltet die nächste Modellpflege in ein paar Jahren dann auch einen Diesel und Heck- oder Allradantrieb, einen größeren Tank, mehr Fahrstufen im Automatikgetriebe und eine klassenübliche Höchstgeschwindigkeit, während die Designer nochmal ganz von vorne anfangen.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB
KIA
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