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Montag, 17. Juni 2024
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Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Verbrauchssenkung

Mercedes: Erste Fakten zu den neuen V6- und V8-Motoren

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435 PS bei 9,5 Liter Daimler
Verbrauch: Neuer V8-Motor von Mercedes
Mercedes stellt die neue Generation an Sechs- und Achtyzlinder-Benzinmotoren vor. Sie folgt mit unterschiedlichem Konzept dem aktuellen Trend zu mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Los geht es im Herbst als V8 im CL alias S-Klasse-Coupé, im übrigen erst 2011. Downsizing, das Verkleinern von Motoren zur Optimierung der Verbrauchswerte, ist nicht alleine eine Technik für Volumenhersteller. Auch sogenannte Premiumhersteller kommen an diesem Trend nicht vorbei.

Beispiel Mercedes: Der neue Achtzylinder verfügt über 4,7 statt 5,5 Liter Hubraum. Exakt sind es 4.663 Kubikzentimeter, mithin genauso viel wie im derzeitigen S 450. Die Leistung steigt dank des Einsatzes von zwei Turboladern dennoch um rund zwölf Prozent von 388 auf künftig 435 PS, das maximale Drehmoment sogar um fast ein Drittel von 530 auf 700 Newtonmeter. Es liegt künftig bereits ab 1.800 statt 2.800 Umdrehungen an. Sinn der Neuentwicklung war aber nicht nur, die Kraftausbeute von üppig auf noch üppiger zu bringen, sondern auch und insbesondere, die Zukunft solcher Triebwerke durch einen "Effizienzsprung" zumindest mittelfristig zu sichern.

In Zahlen: Verbraucht der aktuelle CL 500 noch 12,3 Liter im Norm-Mittel, werden es mit dem neuen Motor ab Herbst nur noch 9,5 sein. Für die gleich motorisierten Limousine, derzeit mit 11,0 Litern gelistet, liegen noch keine Zahlen vor. Damit dürfte sich eine in den letzten Jahren eher ungewohnte Rangfolge ergeben: Mercedes wird sparsamer sein als BMW, wo der 750i mit 11,4 Litern gelistet ist. Der etwas schwächere Audi A8 4,2 quattro kommt bereits aktuell mit 9,5 Litern aus.

Ebenfalls neu entwickelt - und für eine größere Kundengruppe interessant - ist der Sechszylinder. Während es insoweit sowohl bei der V-Bauweise als auch bei 3.499 Kubikzentimetern Hubraum bleibt, haben die Ingenieure den Winkel zwischen den Zylinderbänken von 90 auf 60 Grad verkleinert, was einen Verzicht auf die Ausgleichswelle ermöglicht.

Für die Maschine wurde ein neues Luft- und Abgassystem in Verbindung mit einem schaltbaren Resonanzsaugrohr und optimierten Ein- und Ausströmverhältnissen entwickelt. Dadurch steigt die Leistung von 272 auf 306 PS, das Drehmoment legt um 20 auf 370 Newtonmeter zu. Bemerkenswerter ist auch hier der Verbrauchssprung: Nimmt der aktuelle S 350 noch exakt zehn Liter, werden es künftig nur noch 7,6 sein - ein hoher Fortschritt, der sich nicht nur auf dem Papier wiederfinden wird. Wenn nicht BMW noch ein Ass aus dem Ärmel zaubert, wird auch hier Mercedes führend sein: Der 740i kommt derzeit auf 9,9 Liter.

Möglich wird dies nicht nur durch die motorischen Neuerungen, sondern auch durch den Einsatz einer serienmäßigen Start-Stopp-Funktion. Sie setzt auf den modularen Aufbau des Triebwerks: Eine Kombination mit Allradantrieb oder Hybridmodul ist ebenso eingeplant wie eine spätere Turbo-Variante mit noch mehr PS.

Bei beiden neuen Aggregaten bestehen Kurbelgehäuse, Kolben und Zylinderköpfe aus Aluminium. Kurbelwelle, Pleuel und Ventile sind aus speziellem Schmiedestahl gefertigt. Zu den weiteren Besonderheiten gehören die weiterentwickelte Direkteinspritzung der 3. Generation mit strahlgeführter Verbrennung und Piezo-Injektoren in Verbindung mit einer Multi-Spark-Ignition. Während beim V8 eine homogene Verbrennung zugrundeliegt, setzen die Ingenieure beim Sechszylinder auf ein Schichtbrennverfahren mit Magerverbrennung. Außerdem wurde die Leistungsaufnahme von Nebenaggregaten abgesenkt. Dazu zählen eine optimierte Wasserpumpe, eine geregelte Ölpumpe, eine mengengeregelte Kraftstoffhochdruckpumpe sowie ein intelligentes Generatormanagement.

Die neuen Motoren hat Mercedes jeweils über 50.000 Stunden auf Prüfständen getestet, davon mehr als die Hälfte im Dauerlauf. Die Praxiserprobung erstreckte sich den Angaben zufolge auf fast sieben Millionen Kilometer - auf Hochgeschwindigkeitsstrecken und im Großstadt-Stau, in nordischer Kälte und übler Hitze, in dünner Luft der Alpen und Sandwinden der Wüste.

Gebaut werden die Triebwerke wie ihre Vorgängermodelle im Mercedes-Motorenwerk in Bad Cannstatt. Der Achtzylinder wird im Herbst Premiere im CL 500 feiern, das im Zuge des gleichzeitigen Facelifts dann S-Klasse Coupé heißen dürfte. Die Einführung in der Limousine und den anderen Baureihen wird sich dagegen noch bis 2011 hinziehen.
text  Hanno S. Ritter
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