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Samstag, 10. Dezember 2022,
»Garant der Aufklärung« tritt zurück und kritisiert hauptamtliche Führungskräfte

ADAC-Präsident Meyer wirft das Handtuch (aktualisiert)

ADAC-Präsident Meyer wirft das Handtuch (aktualisiert)
ADAC
ADAC-Präsident
Peter Meyer ist zurückgetreten
Er versprach immer wieder Aufklärung und schloss einen Rücktritt mehrfach aus. Aber er lieferte keine Aufklärung und tritt nun doch zurück: ADAC-Präsident Peter Meyer wirft das Handtuch – und kam damit seinem Rauswurf zuvor.
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Die Information über Meyers Rücktritt kam nicht wie gewohnt von der ADAC-Pressestelle in München, sondern vom ADAC Nordrhein: Die Arbeit und Verantwortung als Präsident sei gemäß der ADAC-Satzung stets durch eine Beschlussfassung der Gremien geprägt, erklärte Meyer in einer Mitteilung. Wenn die Gremien in Krisen eine Gefolgschaft nicht leisteten, könne es keine strukturellen und unternehmenskulturellen Veränderungen im ADAC geben, so Meyer weiter, der noch am vergangenen Freitag anlässlich der Vorstellung eines 10-Punkte-Reformplans die geschlossene Gefolgschaft des Verwaltungsrats, der die 18 Regionalclubs repräsentiert, betont hatte.

Er glaube dennoch weiter an diesen Plan, das Ziel müsse die Rückgewinnung von Vertrauen und Kompetenz sein, sagte Meyer laut Mitteilung. Er übte auch Kritik an seiner Mannschaft: "Für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften, denen gemäß ADAC-Satzung die Besorgung der laufenden Geschäfte obliegt, möchte ich nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden."

Der 64jährige hatte bisher mehrfach seinen Rücktritt ausgeschlossen, zuletzt am Wochenende in einem FAS-Interview. Er legt sein Amt nun mit sofortiger Wirkung nieder. Meyer war von 1999-2001 als 1. Vizepräsident und von 2001-2014 als Präsident ehrenamtlich tätig; sein Vertrag lief noch bis 2017. Die in den letzten Tagen erfahrenen Angriffe und Diffamierungen seiner Person belasteten nicht nur den ADAC, sondern auch seine Familie, sagte Meyer.

Die Entscheidung zur Demission "wurde von ihm allein und sorgfältig überlegt gefällt", erklärte der Club. Nach Informationen von Spiegel Online (SPON) wurde dagegen schon seit einigen Tagen in der Führungsspitze des ADAC ein Suspendierungsverfahren gegen den Präsidenten diskutiert. Mit seiner Entscheidung sei Meyer seiner drohenden Entlassung zuvorgekommen.

Ein kommissarischer Nachfolger soll noch heute bekanntgegeben werden. ADAC-Geschäftsführer Obermair, der sich seit seinem herablassenden Angriff auf die Süddeutsche Zeitung bei der Preisverleihung zum gefälschten "Gelben Engel" auffällig-unauffällig zurückhält, ist weiter im Amt.
Nachtrag, 14:30 Uhr: Der ADAC hat sich inzwischen zu Wort gemeldet. Man nehme Meyers Rücktritt "zur Kenntnis", hieß es lapidar. "Damit übernimmt dieser die politische Verantwortung für die zahlreichen Vorwürfe, die in den vergangenen Wochen gegen den Verein erhoben wurden."

Die SPON-Informationen bestätigte der Club. Angesichts der "aktuellen Vertrauenskrise des ADAC und der erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung" habe das Präsidium am Montagvormittag ein Suspendierungsverfahren gegen Peter Meyer beschlossen. Zur Begründung heißt es nur, Meyer sei in seiner Funktion schon aufgrund der Satzung in besonderem Maße für Kommunikation und Außenwirkung verantwortlich gewesen.

Bis zur Hauptversammlung im Mai führt Vizepräsident Dr. August Markl (65) den Club kommissarisch.
Nachtrag, 20 Uhr: Meyer hat sich mit einer weiteren Stellungnahme zu Wort gemeldet und bestreitet, dass ein Suspendierungsverfahren gestartet worden sei; dieses könne nur auf Antrag des Generalsyndikus' vom Präsidium beschlossen werden. Ein solcher Antrag sei nicht gestellt worden, die Mitteilung demnach "unrichtig". Auch lege nicht der Präsident, sondern laut Satzung das gesamte Präsidium die Grundsätze der Kommunikation (Außenwirkung) und Werbung fest.

Er habe mit seinem Rücktritt auch nicht die politische Verantwortung für die zahlreichen Vorwürfe übernommen. Anderslautende Berichte seien einseitig, denn das Präsidium entscheide als Gremium stets gemeinsam und mehrheitlich. Meyer habe seinen ehemaligen Präsidiumsmitgliedern anheimgestellt, dass eine gesamtverantwortliche Reaktion und Demission des Präsidiums sicherlich ein wichtiges und besseres Signal gewesen wäre, heißt es in der Mitteilung des ADAC Nordrhein, dessen Chef Meyer jedenfalls vorerst bleiben will.
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text  Hanno S. Ritter
IM KONTEXT: DER BLICK INS WEB